1. Religion & Spirituality
Send to a Friend via Email

Your suggestion is on its way!

An email with a link to:

http://atheism.about.com/library/weekly/aa042600c.htm

was emailed to:

Thanks for sharing About.com with others!

God is Dead
Original Text, German & English

-->
• Related Resources
• Killing God
• Life Without God
• Original Text
• Chronology

• Index of previous articles

• Site Resources
• Main Site Index

• What is Atheism?
• Religion & Theism
• Skepticism & Logic
• Arguments for / against Gods
• Evolution vs. Creationism
• Religious Timelines
• Hate Mail
• Glossary
• Book Reviews

125.

The Madman. Have you ever heard of the madman who on a bright morning lighted a lantern and ran to the market-place calling out unceasingly: "I seek God! I seek God!" As there were many people standing about who did not believe in God, he caused a great deal of amusement. Why? is he lost? said one. Has he strayed away like a child? said another. Or does he keep himself hidden? Is he afraid of us? Has he taken a sea voyage? Has he emigrated? - the people cried out laughingly, all in a hubbub.

The insane man jumped into their midst and transfixed them with his glances. "Where is God gone?" he called out. "I mean to tell you! We have killed him, you and I! We are all his murderers! But how have we done it? How were we able to drink up the sea? Who gave us the sponge to wipe away the whole horizon? What did we do when we loosened this earth from its sun? Whither does it now move? Whither do we move? Away from all suns? Do we not dash on unceasingly? Backwards, sideways, forwards, in all directions? Is there still an above and below? Do we not stray, as through infinite nothingness? Does not empty space breathe upon us? Has it not become colder? Does not night come on continually, darker and darker? Shall we not have to light lanterns in the morning? Do we not hear the noise of the grave-diggers who are burying God? Do we not smell the divine putrefaction? - for even Gods putrify! God is dead! God remains dead! And we have killed him!

How shall we console ourselves, the most murderous of all murderers? The holiest and the mightiest that the world has hitherto possessed, has bled to death under our knife - who will wipe the blood from us? With what water could we cleanse ourselves? What lustrums, what sacred games shall we have to devise? Is not the magnitude of this deed too great for us? Shall we not ourselves have to become Gods, merely to seem worthy of it? There never was a greater event - and on account of it, all who are born after us belong to a higher history than any history hitherto!" Here the madman was silent and looked again at his hearers; they also were silent and looked at him in surprise.

At last he threw his lantern on the ground, so that it broke in pieces and was extinguished. "I come too early," he then said. "I am not yet at the right time. This prodigious event is still on its way, and is traveling - it has not yet reached men's ears. Lightning and thunder need time, the light of the stars needs time, deeds need time, even after they are done, to be seen and heard. This deed is as yet further from them than the furthest star - and yet they have done it themselves!" It is further stated that the madman made his way into different churches on the same day, and there intoned his Requiem aeternam deo. When led out and called to account, he always gave the reply: "What are these churches now, if they are not the tombs and monuments of God?"


125.

Der tolle Mensch. - Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: "ich suche Gott! Ich suche Gott!" - Da dort gerade Viele von Denen zusammen standen, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein grosses Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der Eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der Andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? - so schrieen und lachten sie durcheinander.

Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. "Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getödtet, - ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch Nichts von dem Lärm der Todtengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch Nichts von der göttlichen Verwesung? - auch Götter verwesen! Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet!

Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besass, es ist unter unseren Messern verblutet, - wer wischt diess Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnfeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Grösse dieser That zu gross für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine grössere That, - und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser That willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!" - Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn.

Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in Stücke sprang und erlosch. "Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Diess ungeheure Ereigniss ist noch unterwegs und wandert, - es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Thaten brauchen Zeit, auch nachdem sie gethan sind, um gesehen und gehört zu werden. Diese That ist ihnen immer noch ferner, als die fernsten Gestirne, - und doch haben sie dieselbe gethan!" - Man erzählt noch, dass der tolle Mensch des selbigen Tages in verschiedene Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur diess entgegnet: "Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?" -


343.

Was es mit unserer Heiterkeit auf sich hat. - Das grösste neuere Ereigniss, - dass "Gott todt ist", dass der Glaube an den christlichen Gott unglaubwürdig geworden ist - beginnt bereits seine ersten Schatten über Europa zu werfen. Für die Wenigen wenigstens, deren Augen, deren Argwohn in den Augen stark und fein genug für dies Schauspiel ist, scheint eben irgend eine Sonne untergegangen, irgend ein altes tiefes Vertrauen in Zweifel umgedreht: ihnen muss unsre alte Welt täglich abendlicher, misstrauischer, fremder, "älter" scheinen. In der Hauptsache aber darf man sagen: das Ereigniss selbst ist viel zu gross, zu fern, zu abseits vom Fassungsvermögen Vieler, als dass auch nur seine Kunde schon angelangt heissen dürfte; geschweige denn, dass Viele bereits wüssten, was eigentlich sich damit begeben hat - und was Alles, nachdem dieser Glaube untergraben ist, nunmehr einfallen muss, weil es auf ihm gebaut, an ihn gelehnt, in ihn hineingewachsen war: zum Beispiel unsre ganze europäische Moral. Diese lange Fülle und Folge von Abbruch, Zerstörung, Untergang, Umsturz, die nun bevorsteht: wer erriethe heute schon genug davon, um den Lehrer und Vorausverkünder dieser ungeheuren Logik von Schrecken abgeben zu müssen, den Propheten einer Verdüsterung und Sonnenfinsterniss, deren Gleichen es wahrscheinlich noch nicht auf Erden gegeben hat? ...

Selbst wir geborenen Räthselrather, die wir gleichsam auf den Bergen warten, zwischen Heute und Morgen hingestellt und in den Widerspruch zwischen Heute und Morgen hineingespannt, wir Erstlinge und Frühgeburten des kommenden Jahrhunderts, denen eigentlich die Schatten, welche Europa alsbald einwickeln müssen, jetzt schon zu Gesicht gekommen sein sollten: woran liegt es doch, dass selbst wir ohne rechte Theilnahme für diese Verdüsterung, vor Allem ohne Sorge und Furcht für uns ihrem Heraufkommen entgegensehn? Stehen wir vielleicht zu sehr noch unter den nächsten Folgen dieses Ereignisses - und diese nächsten Folgen, seine Folgen für uns sind, umgekehrt als man vielleicht erwarten könnte, durchaus nicht traurig und verdüsternd, vielmehr wie eine neue schwer zu beschreibende Art von Licht, Glück, Erleichterung, Erheiterung, Ermuthigung, Morgenröthe...

In der That, wir Philosophen und "freien Geister" fühlen uns bei der Nachricht, dass der "alte Gott todt" ist, wie von einer neuen Morgenröthe angestrahlt; unser Herz strömt dabei über von Dankbarkeit, Erstaunen, Ahnung, Erwartung, - endlich erscheint uns der Horizont wieder frei, gesetzt selbst, dass er nicht hell ist, endlich dürfen unsre Schiffe wieder auslaufen, auf jede Gefahr hin auslaufen, jedes Wagniss des Erkennenden ist wieder erlaubt, das Meer, unser Meer liegt wieder offen da, vielleicht gab es noch niemals ein so "offnes Meer".

--Friedrich Nietzsche. The Gay Science (1882), sections 125 and 343

-->

Discuss in my forum

©2014 About.com. All rights reserved.